Mainz gegen Bremen

„Das ja ein bisschen wie in Meuselwitz hier!“

Sagte der Archivar als wir auf das Stadion am Europakreisel in Mainz zuliefen. Joar im entferntesten erinnerte dass ein wenig an die Meuselwitzer Glaserkuppel. Überall Feld und inmitten dessen eine Fußballarena. Gut diese hier fasste 34.000 Zuschauer und hatte Bundesligafußball anzubieten. Aber das Feld erinnerte an Meuselwitz.

Quasi mit dem Abpfiff verließen wir die Henniger in Offenbach und machten uns mit dem Auto gen Mainz. Nach ca. 40 Minuten fahrt erreichten wir das Mainzer Messegelände, zumindestens hieß der Ort so, eine Messe konnten wir nämlich nicht ausfindig machen. Nur ein paar Kreisverkehre, verwaiste Straßen, ein vermutlich im Bau befindliches Parkhaus und einen Schotterplatz, auf dem wir unser Kfz abparkten, nicht ohne vorher 3,50 Euro für den Luxusplatz zu löhnen.
Das kann ja was werden, dachten wir uns, soebend waren wir mitten im Nix gelandet. Dennoch fuhren tatsächlich aus dem Nix Schuttelbusse zum Mainzer Stadion, welches sich Coface Arena schmipfte. Immer diese scheiss Kommerznamen hier.

Mit dem Bus gings erstmal auf die Autobahn und drei Ausfahrten weiter. Während der Fahrt sah man von der Autobahn aus schon das Stadion. Nunja man erkannte es durch seinen überdimensional großen Namen, sonst wäre es glatt als Baumarktbau durchgegangen.
Am Stadion angekommen hieß es erstmal 800 Meter laufen, der Archivar schüttelte mit dem Kopf und erwähnte den oben genannten Satz. Über Stock und Stein gings dann zum Stadion.

Mainzer Stadion
Stadion oder doch Baumarkt?

Dort angekommen holte sich der Archivar, na? Genau sein Programmheft! Aber auch ich leistete mir diesmal ein Schriftstück, die Tortour, das Mainzer Fanzine.
Von Aussen konnte man durch die Ecken des Stadions, welche verglaßt waren, ins Innere schauen, durchaus imposant, aber auch das einzige von Außen was imposant ist.
Im Stadion drinn, dann erstmal den Stehplatz eingenommen und die nagelneue Hütte begutachtet. Und was soll man sagen?
Wahnsinn! Vier unterschiedliche eigene Tribühnen, eine reine Stehtribühne, der Rest Sitzplätze. An den Ecke wie schon erwähnt ist das Stadion offen. Aber auch die Hauptribühne mit ihrem Vipbereich war Top. Das neue Mainzer Stadion am Europakreisel macht richtig was her, unterscheidet sich klar vom ganzen Einheitsbrei der deutschen Stadionlandschaft und ist ein wirklich sehenswerter Ground.

Bis zum Spielbeginn war noch ein Weilchen Zeit und so begutachtete ich mal die Logen. Eine stach besonders hervor, mit Lichterketten und Diskolichtern. Beim Versuch mir vorzustellen wir dort gerade jemand Tanzt, musste ich dann aber doch schmunzeln, naja jeder wie er es braucht.
Das Stadion füllte sich nach und nach, der Stadionsprecher begann sein Programm. Sehr auffällig, das in Mainz scheinbar alles und nichts von einem Sponsor präsentiert wird. Lustig wurde es dann vor Spielanpfiff als der Stadionsprecher verkündete: Die Aufstellung des SV Werder Bremen, wird ihnen präsentiert von den Bremer Fans!“ und dann begann, wie bei der Ansage der Heimmannschaft die Vornamen der Spieler vorzulesen. Die Bremer Fans vercheckten es bei den ersten drei Spielern, dass sie hier die Nachnamen anbringen dürfen. Ich musste lachen und war fasziniert zugleich, als dann die Bremer die Nachnamen riefen und von Mainz garnix kam.
So was wäre in anderen Stadien unvorstellbar, da würde es mindestens bei jedem Spieler ein Arschloch hageln. Nunja Mainz ist halt anders.
Mittlerweile ging mir das Vorprogramm aber auf den Sack, als der Stadionsprecher das xtemal Fragte wo denn die Fans der jeweiligen Sponsorentribühne seien und rumgröhlte und dabei wie ein Flummi durch die Kante sprang. Irgendwie war er Maskottchen und Stadionsprecher in einem, hatte ich das Gefühl. Das war so garnicht meins.

Hatte ich mich vor Spielbeginn noch gewundert warum bei Werder nicht eine Zaunfahne hing, sollte mir zum Einlauf der Mannschaften einiges klar werden. Plötzlich gingen alle bremer Zaunfahnen nach oben und untendrunter flackerte es kurz auf. Was folgte war Pyro!

Pyrotechnik
ist kein Verbrechen!

Die Partie begann also im wahrstem Sinne des Wortes feurig und dass übertrug sich sofort auf den Platz. Beide Teams machten ordentlich Dampf, aber Mainz zeigte zunächst wer Herr im Hause war.
Mainz spielte den flotteren Ball und dennoch dauerte es bis zur 23. Minute und es musste eine Standart sein. Nach einer Ecke köpfte Bungert dem Ball am kurzem Pfosten, aus sehr sehr spitzem Winkel um 1:0 zwischen die Pfosten von Tim Wiese.
Werder blieb aber ganz cool und nutzte in der 29. Minute eine Mainzer Unachtsamkeit. Pardon, Pizarro blieb aber ganz cool und nutzte in der 29. Minute eine Mainzer Unachtsamkeit. Er kommt am Sechzehner an den Ball, tanzte zwei Abwehrspieler aus und lupfte den Ball dann gefühlvoll über den herrausstürmenden Wetklo zum 1:1 ins Tor. Weltklassetor!
Der erste Bremer Torschuss und schon das 1:1.

Mainz ließ sich nicht schocken, spielte weiter Munter nach vorne und hatte Möglichkeit um Möglichkeit. Aber sie blieben immerwieder an Tim Wiese hängen. Zunächst parierte er in der 33. Minute mit dem Fus gegen Choupo-Moting und dann in der 34. Minute mit den Fäusten gegen Caligiuri. Und kurz vor der Halbzeit pariert er einen Kopfball. Somit ging es mit dem 1:1 in die Pause. Mainz hatte mehr Spielanteile und die besseren Chancen, daher konnte Werder glücklich sein. Mainz hätte in Führung liegen müssen. Und dennoch war es eine Klasse Bundesligapartie, so dass ich hoffte das es so weiter geht.

Die Partie lief keine zwei Minuten in der zweiten Halbzeit, als Pizarro den Ball am 16ner behauptete und zu Hunt zurückschob. Dieser fackelte nicht lange und zog aus gefühlten 20 Metern ab. Ein Schuss wie ein Strich, oder wie der Archivar sagte: „Ein Strich in der Landschaft!“ schlug zum 2:1 in linkem oberen Eck ein. Wetklo mal so ganz ohne Abwehrchance. Absolutes Traumtor.

Mainz spielte weiter Munter mit, ließ sich vom Gegentor nicht schocken und trieb den Ball nach vorn. Als der Ball von Rechts in die Mitte gespielt wurde, verpasste zunächst ein Mainzer knapp, ehe der Ball bei Pospech landete, welcher den Ball aus 8 Metern drüber nagelte. Bitter! Das war die Schlüsselszene.

Mainz fortan zwar mit unglaublich viel Ballbesitz, aber es kam nichts zwingendes mehr herraus. Bremen hingegen tat das Nötigste und kam in der 78. Minute zum 3:1. Nach einem Freistoß von links, stand Prödel mutterseelenalleine im Strafraum, köpfte zunächst an den rechten Pfosten und verwertete den Abpraller dann selbst im linkem Toreck. 3:1 für Werder Bremen mit dem 4. Torschuss. Der Archivar ganz trocken: „So graußam kann Fußball sein, die schiessen 4 mal aufs Tor und machen 3 Dinger!“. Das wars dann auch.
Bremen gewinnt für meinen Geschmack unverdient 3:1, da sie nur das Nötigste taten und Mainz das Spiel machte, aber vorallem in Halbzeit 1 zu viele Chancen liegen ließ.

Die Stimmung war das ganze Spiel über großartig. Die Mainzer Ultras gaben den tackt vor und das ganze Stadion klatschte im Rythmus mit, selbst die VIPtribühne. Auch nach dem 3:1 trieb der Großteil des Stadions die Mainzer weiter mit FSV FSV Sprechchören nach vorne. Das war schon toll.
Die Klatschrythmen kamen brachial laut rüber. Die mainzer Ultras mit durchgehendem Tifoeinsatz.
Werder Bremen mit der eingans erwähnten Pyroschow, war mit ca. 5.000 Gästen anwesend. Die Ultras Bremen, waren dauerhaft in Bewegung, sprangen viel und sangen laut. Man konnte mehrmals entsprechend vernehmen. Jedoch felhte bei ihnen jegliches Tifomaterial, keine Ahnung warum.
Auch waren es nur die Ultras die gut abgingen, so dass ich sagen muss ich hab schon bessere Auswärtsauftritte in der Bundesliga gesehen. Aber dennoch es war insgesamt eine typische, aber schöne Bundesligastimmung.

Schalparade
Tolles Stadion, tolle Stimmung

Als Fazit bleibt, das wir wirklich ein spannendes und kurzweiliges Bundesligaspiel sehen durften. Das Claudio Pizarro unfassbar viel laufen kann und nahezu überall zu finden ist. Und natürlich das das neue Stadion von Mainz von innen Hui und von außen Pfui ist.

Nach dem Spiel ging es reibungslos in den Bus und zurück zum Schuttleparkplatz. So hatten wir das nicht erwartet. Ne Stunde nach Spielende waren wir schonwieder im Hotel, so muss das sein, fein!

Bilder gibt es hier!

Spielüberblick:

FSV Mainz 05: Wetklo – Pospech (70. Ivanschitz), Bungert, Noveski (15. Ju. Baumgartlinger), Fathi – Kirchhoff – M. Caligiuri, Soto – Malli – Choupo-Moting, Ujah (70. N. Müller)

SV Werder Bremen: Wiese – Sokratis, Prödl, Naldo, L. Schmitz – Ignjovski (88. A. Wolf) – Fritz, Hunt – Ekici (68. Bargfrede) – Rosenberg (63. S. Wagner), C. Pizarro

Tore: 1:0 Bungert (23.), 1:1 C. Pizarro (29.), 1:2 Hunt (47.), 1:3 Prödl (78.)

Zuschauer: 34.000 (ausverkauft)

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